RAGH

TERRA NOVA – In Memoriam Otzenrath ist eine ca. 70 min. audiovisuelle Aufführung in 10 Kapiteln von Frank Oehlmann (Film) mit der musikalischen Live-Vertonung von RAGH. 

Der Film behandelt auf experimentell künstlerische Art den Rheinischen Braunkohle Tagebau und seine unmittelbaren Auswirkungen auf die Region. Riesige Kraftwerke und gigantische Löcher in der Landschaft, Dörfer, die abgerissen und umgesiedelt werden, um dem Tagebau zu weichen, ganz zu schweigen von der Zerstörung der Natur wie z. B. dem Hambacher Forst, sind die unmittelbar erfahrbaren Folgen dieses Wirtschaftens. Die Auswirkungen der Kohleverstromung auf die Erwärmung des Erdklimas sind gravierend.   Den verstörenden Aufnahmen der Zerstörung von ganzen Landstrichen werden bewusst Passagen von meditativen Naturaufnahmen entgegengesetzt. Der Film ist kein Dokumentarfilm im herkömmlichen Sinne. So wird auf O-Ton generell verzichtet und durch Musik ersetzt, die die Bilder auf einer weiteren Ebene kommentieren oder kontrapunktisch kontrastieren.

Seit 2009 beschäftigt sich der Medienkünstler und Musiker Frank Oehlmann filmisch mit den Kraftwerken des rheinischen Braunkohlereviers. Auf Anregung von Ralph Hintzen, der schon 2006 den Abriss des Dorfes Otzenrath mit der Kamera dokumentiert, entsteht schon früh die Idee, dieses Material zur Grundlage eines längeren Filmes werden zu lassen. Für das Projekt TERRA NOVA wird dieses Material 2017/18 mit aktuellen Aufnahmen aus Immerath (Abriss der Wohnhäuser und der Kirche), Immerath-Neu, Hambach, Garzweiler und Inden erweitert.

Von Anfang an ist das visuelle Moment ein wichtiger Aspekt in der Arbeit des Musikprojektes RAGH (gegründet 2005 von Hintzen/Oehlmann). Das Prinzip des freien musikalischen Improvisierens wird von Anfang an auch für Live-Vertonungen von Stummfilmen und experimentellen Filmen eingesetzt. So entstehen seit 2006 zahlreiche Aufführungen mit Soundtracks zu Filmen von F.W. Murnau (Nosferatu, Faust und Phantom), Buster Keaton (The General, The Navigator, div. Kurzfilme), Jean Epstein (The Fall of the House of Usher) und Germain Dulac (Le Coquille et Le Glergymen) und Musik zu experimentellen Werken von Frank Oehlmann (DAFT, 3-Kanal-Videoinstallation, 2006 und ENTR´ACTE, 2016).

Aktuelle Besetzung von RAGH:

Ralph Hintzen – Guitar + Electronics, Mirko Kohlmann – Cello, Frank Oehlmann – Electronics + Percussion

 


 

Die Formation RAGH bildete sich im Jahr 2005 aus den Musikern Ralph Hintzen und Frank Oehlmann, um mit dem Konzept der frei improvisierten Musik eine Brücke zwischen Electronic, Jazz und neuer Musik zu schlagen. RAGH verkörpern die Musik unserer Zeit jenseits des kommerziellen Unterhaltungsdiktats. Sie verstehen ihre Musikform als ein “Komponieren auf der Bühne für den Augenblick”, d.h. Komposition und Interpretation sollen in einem simultanen schöpferischen Akt vereint werden. Für RAGH führt diese Art des Musizierens zu einer sehr empfindlichen äusseren und inneren Spannung, ein Entstehen von Augenblicken, die nicht in Noten oder Partitur schriftlich fixiert wurden.
Aus der musikalischen Interaktion heraus loopen die Musiker ihre Sequenzen und gewinnen daraus neue Klangkonstrukte und Melodien, die in die Weiterführung der “Komposition des Augenblicks” eingesponnen werden. So entsteht eine „kaskadiforme“ Musik , die tief ineinander verwurzelt ist.
Mit verschiedenen Gastmusikern wie Michael Kamp, Pedro Ortega, Peter Daners, Georg Grisloff, Ulrike Zavelberg und Lutz Stolz wurden bisher die Stummfilme „Nosferatu“ von Murnau, „The General“ und „The  Navigator“ von Buster Keaton, „The Fall Of The House  Of Usher“ von Jean Epstein, “La Coquille et le Clergyman” von G. Dulac/A. Artaudder, der Experimentalfilm „D.A.F.T.“ sowie eine Serie von Kurzfilmen von Frank Oehlmann vertont. Seit 2005 sind mittlerweile über 30 Cd Einspielungen endstanden. Ein Teil davon ist auf Bandcamp erschienen:  https://ragh.bandcamp.com/

Ralph Hintzen – Gitarre, Bass, Electronics
seit Mitte der 80er ständig in der Musikszene präsent. Besonders er-wähnenswert die Gruppe “Saitensprung, mit der er in den Mittachtzigern einige Wettbewerbe gewann und durch Deutschland und die Benelux-Länder tourte, sowie “hansmuff”, einer experimentellen Art-Rock-Formation, die überwiegend in Holland aktiv war. Mehrere Projekte mit dem Free-Gitarristen Georg Grisloff und dem  Trompeter Rainer Winterschladen.

Frank Oehlmann – Schlagwerk, Synthesizser, Electronics und Video
beschäftigt sich seit über zwei Jahrzehnten mit experimenteller Musik und deren Umsetzung, verlor dabei aber nie den Kontakt zu erdigen Grooves im Bandgefüge. So tourte er mit seiner Band “Testsieger”, einem multimedialem Spektakel, dem sich Musiker der unterschiedlichsten Coleur anschlossen. Nach diversen Band-Projekten wie „Superlopez“, „Black Mesa“ oder „Vecu“ widmet er sich zur Zeit neben der Arbeit mit Ragh seinem Solo-Projekt mit Ambient und Minimal Musicunter eigenem Namen.